Social-Sense-Club, 6A, 2018

Die Young-Caritas lud zum 3-tätigen Workshop

  • Bild 1: Suzan Fakia aus Syrien erzählt über ihre Flucht und den Neuanfang in Österreich, © Monika Novak-Sabotnik

    Suzan Fakia aus Syrien erzählt über ihre Flucht und den Neuanfang in Österreich, © Monika Novak-Sabotnik

  • Bild 2: „Spiel des Über-Lebens“, © Monika Novak-Sabotnik

    „Spiel des Über-Lebens“, © Monika Novak-Sabotnik

  • Bild 3: Beim Bauen eines Insektenhotels, © Monika Novak-Sabotnik

    Beim Bauen eines Insektenhotels, © Monika Novak-Sabotnik

  • Bild 4: Flüchtlinge und Schüler/innen pflügen die Erde und erstellen ein Hochbeet, © Monika Novak-Sabotnik

    Flüchtlinge und Schüler/innen pflügen die Erde und erstellen ein Hochbeet, © Monika Novak-Sabotnik

  • Bild 5: Gemeinsames Essen und Trinken, © Monika Novak-Sabotnik

    Gemeinsames Essen und Trinken, © Monika Novak-Sabotnik

  • Bild 6: Beim Apfelsaft-Pressen, © Monika Novak-Sabotnik

    Beim Apfelsaft-Pressen, © Monika Novak-Sabotnik

Auf Initiative der Young-Caritas, allen voran des Zivildieners Elvis Djonlagic, war die 6A Klasse des Slowenischen Gymnasiums in Klagenfurt beim 3-tägigen Projekt mit dem Titel „Social-Sense-Club“ eingeladen, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich mit allen Sinnen mit dem Migrant/inn/en zu befassen. Die Schüler/innen erfuhren mehr über die Gründe von Migration – sei sie aufgrund von politischen, wirtschaftlichen, religiösen oder klimatisch bedingten Veränderungen.

Suzana aus Syrien erzählte ihre persönliche Geschichte ihrer Flucht und ihres Lebens hier in Kärnten. Mitarbeiter/innen der Caritas schilderten die vielen Möglichkeiten der Hilfe und konkreter Integration. Im „Spiel des Über-Lebens“ konnten die jungen Erwachsenen nachvollziehen welchen extremen Situationen Flüchtlinge ausgesetzt sind.

Konkret anpacken konnten alle dann im Gartenprojekt der Caritas, wo Flüchtlinge gemeinsam Gemüse, Obst und Kräuter anbauen. So wurde gemeinsam Apfelsaft gepresst, ein leckerer Eintopf gekocht, ein Insektenhotel gefertigt und ein „Hochbeet für Arme“ gebaut. Beim gemeinsamen Essen und Singen wurde viel gelacht.

Die vielen Eindrücke konnten die Schüler/innen dann unter der Anleitung der Poetry-Slammerin Estha Sackl erarbeiten und einander vortragen.

Monika Novak-Sabotnik

Koordination: Monika Novak-Sabotnik

Der “Social Senses Club” ist Teil des MIND-Projekts (Migration.Interconnectedness.Development), das von der Europäischen Union finanziert wird.

Schüler/innen-Texte aus der Poetry-Slam Schreibwerkstatt

…an einen Flüchtling…
Ich frage mich: Du bist gerade aus deinem eigenen Heimatland geflohen, hast Risiken auf dich genommen. Hattest du Angst vor dem Tod? Hattest du Angst Leute, die du im Herzen trägst oder sogar deine eigene Familie zu verlieren? Nun hast du es zwar mit Problemen in ein sicheres Land geschafft. Zumindest glaubst du das. Ob es stimmt, weißt du nicht, zudem verstehst du auch nichts. Doch trotzdem fällt dir ein Stein vom Herzen, dass du das Chaos hinter dir gelassen hast. Nun stehst du vor einem anderen Problem. Du brauchst eine Unterkunft; du weißt nicht, ob du einen positiven Bescheid bekommst. Du weißt nicht, was du tun sollst, denn du könntest jeden Tag eine Absage bekommen. Du weißt nichts mit dir anzufangen, außer deine Leute um dich zu scharen und zu hoffen, dass du ja nicht in die Hölle verbannt wirst und wegen deiner Religion, deines Aussehens oder aus welchem Grund auch immer schlecht behandelt wirst. Wie fühlst du dich in dieser Lage? Bist du stolz oder einfach nur traurig?

Benjamin Lanegger

„You probably think: ‚Oh, another sad refuge telling her sad story!’“, mit diesem Satz begann Suzan Fakia ihr storytelling. Und genau das dachten wahrscheinlich 90% von uns. Was sollte man denn anderes erwarten, es ist doch immer das Gleiche. Jemand flüchtet aus dem eigenen Heimatland, meistens wegen eines Krieges, manchmal aus anderen Gründen. Die Person muss Meere überqueren und andere Schwierigkeiten bewältigen und landet dann am Ende bei uns in Österreich. Doch als ich diesen Satz hörte, änderte sich meine Denkweise. Wir verdrängen oft die schreckliche Realität, versuchen alles zu verschönern. Auch ich. Und deshalb bekam ich ein schlechtes Gewissen.
Jeder Mensch hat seine Geschichte und mit dieser sollte man respektvoll umgehen. Es kostet viel Überwindung so etwas mit anderen zu teilen. Ich begann zu begreifen, was diese Menschen durchmachen müssen und wie unfair sie teilweise behandelt werden. Wir haben alle unsere Probleme und Schicksalsschläge. Wir sind alle Menschen! Also können wir uns dann nicht wie solche verhalten und anderen Menschen helfen und sie akzeptieren und respektvoll mit ihnen umgehen?!

Chiara Wirtz

Wieso denkst du, dass Flüchtlinge schlimme Menschen sind?
Wieso hast du Vorurteile?
Wieso denkst du, dass sie schlechtere Menschen sind als wir?

Durch solche Menschen wie dich werden andere manipuliert.

Man sitzt im Flugzeug neben einem Flüchtling, spielt mit dem Gedanken,
ob man heil ankommt, weil er vielleicht eine Bombe im Gepäck hat.
Man begegnet alleine in einer Gasse einem Flüchtling und spielt mit dem Gedanken,
ob man das überleben wird.
Man blickt einem Flüchtling in die Augen und spielt mit dem Gedanken,
ob er uns verletzen will.

Wieso sollte er dir etwas antun?
Nur, weil er anders ist?

Valentina Rainer

Die letzten drei Tage waren eine sehr wertvolle Erfahrung für mich, vor allem, weil ich vorher nie richtig mit Flüchtlingen zu tun hatte. Mein Bild von Flüchtlingen hat sich sehr gewandelt, vor allem wegen der positiven Erfahrungen im Garten. In mir herrscht allerdings Verwirrung. In den Zeitungen liest man öfter Artikel wie „Tscheschenen verprügeln Österreicher“ oder „Flüchtlinge nehmen uns die Arbeit weg“. Auch von einigen Menschen in meinem Umfeld höre ich immer wieder nur negative Dinge, wie „Die kriegen Geld fürs Nichtstun!“  oder „Die sollen zurück gehen, es ist ja dort nicht so schlimm!“
Ich bin kein Mensch, der unbegründet hasst, nur weil andere es tun. Dieses Projekt hat bei mir ausschließlich positive Gefühle ausgelöst. Ich bin mir sicher, dass es überall schwarze Schafe gibt. Ich will mir noch Zeit nehmen, um mir eine eigene Meinung zu bilden, denn das ist schwer, wenn einem von mehreren Seiten verschiedene Meinungen zugetragen werden.

Alexander Weber

Das „Spiel des Über-Lebens“ gab mit zu denken. So viele Leute, welche die Entscheidung treffen aus ihrem Heimatland zu flüchten und von zu Hause weg zu gehen, alles hinter sich zu lassen… So viele Leute, die aufgrund ihrer Hautfarbe, Religion, politischen Meinung oder aus einem anderen Grund verfolgt werden… das habe ich erst dabei realisiert.

Shirin Sitter

„Du steigst aus dem Boot und musst bei so vielen toten Menschen vorbei gehen, die es nicht geschafft haben.“ … Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie es ist, wenn man flüchten muss; wie es ist sein Zuhause zurücklassen, sich mit 200 anderen Menschen in ein Boot quetschen zu müssen, das eigentlich für 100 Personen bestimmt ist. Wenn man dann endlich ankommt und vorbeigeht bei so vielen toten Menschen, die ihr Ziel nie erreicht haben, muss das eine enorme psychische Belastung sein. Es ist einfach unvorstellbar, dass die Länder, aus denen die Menschen flüchten, so schlecht entwickelt sind, dass die Menschen dort nicht sicher leben können und dass die Polizei nichts bewirken kann.
Wenn man Österreich mit einem dieser Länder vergleicht, sieht man eigentlich erst, wie viel für uns selbstverständlich ist, für das andere hart kämpfen müssen.

Klara Kuchling

Krieg, Flucht, Armut, Verzweiflung, Hunger, Chaos auf der Welt. Und doch auch Reichtum und Luxus, Unzufriedenheit und schlechte Laune. Ich habe gewusst, dass es solche Probleme gibt und natürlich habe ich gewusst, dass es Flüchtlinge gibt, und es war mir klar, dass es nicht allen so gut geht wie mir. Aber dennoch war es immer so weit entfernt und wo anders und nicht hier. Nicht ich. Umso schwieriger war es zu verstehen, dass das Chaos nahe ist. Es ist da und passiert. Jeden Tag. Jetzt. Und es betrifft auch mich. Und dich. Und uns. Ich habe mich in die Lage der Menschen versetzt. Ich habe großen Respekt. Unvorstellbar. Könntest du dir das vorstellen? Die Frage nach dem „WARUM?“ kann ich nicht beantworten. Es bleiben Fragezeichen. Aber etwas weiß ich jetzt: Diese Geschichten sind Realität.

Nadja Pristovnik

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